Teile der Gitarre: der Guide für Anfänger
Kopfplatte und Mechaniken
Ganz oben an der Gitarre sitzt die Kopfplatte (Headstock) und darauf sind die Mechaniken montiert. Durch Drehen spannst oder lockerst du die Saiten und änderst damit ihre Tonhöhe.
Mechanik ist nicht gleich Mechanik, die Qualität unterscheidet sich deutlich. Bessere gekapselte Mechaniken (etwa von Grover oder Gotoh) halten die Stimmung viel länger als billige offene Mechaniken an einer 30-€-Gitarre. Wenn deine Gitarre nicht stimmstabil ist, liegt es oft genau daran. Sie lassen sich tauschen, sieh dir Gitarrenmechaniken an. Und wenn das Stimmen selbst das Problem ist, hilft ein ordentliches Stimmgerät.

Wozu der Sattel da ist
Der Sattel (englisch nut) ist die kleine gekerbte Leiste am unteren Ende der Kopfplatte, dort wo Hals und Kopfplatte aufeinandertreffen. Die Saiten laufen darüber, und der Sattel bestimmt sowohl ihren Abstand als auch ihre Höhe über dem Griffbrett.
Warum ist das wichtig? Ist der Sattel zu hoch, lassen sich die ersten Bünde schwerer greifen. Anfängern tun die Finger weh und das Spielen frustriert. Das Material, ob Kunststoff, Knochen, Ebenholz oder Kunstknochen wie TUSQ, beeinflusst außerdem Tonübertragung und Stimmstabilität.
Hals, Griffbrett und Bünde
Der Hals ist der lange Träger vom Korpus bis zur Kopfplatte. Das Griffbrett (Fretboard) ist die obere Platte, die auf den Hals geleimt ist und auf die du die Finger drückst. Darin eingelassen sind die Metallstege, die Bünde (Frets).
Das Griffbrettmaterial beeinflusst Gefühl und Klang. Palisander wirkt wärmer, Ahorn klarer und schärfer. Für Anfänger spielt das kaum eine Rolle, Bequemlichkeit ist wichtiger.
Achtung, ein häufiger Irrtum: Wenn jemand von einem „Palisanderhals" spricht, meint er das Griffbrett. Der Hals selbst ist meist Mahagoni oder Ahorn, das Griffbrett ist nur die dünne obere Schicht.

Bundnummerierung und Lagen auf dem Griffbrett
Bünde werden vom Sattel Richtung Korpus gezählt. Der erste Bund ist der, der der Kopfplatte am nächsten liegt. Wenn in einer Anleitung steht „spiel den Ton im 3. Bund", drückst du in den Raum zwischen dem zweiten und dritten Metallsteg, nicht auf den Steg selbst.
Je höher der Bund, desto höher der Ton. Der zwölfte Bund liegt etwa auf halber Mensur und klingt genau eine Oktave über der leeren Saite. Die meisten Akustikgitarren haben 20 bis 21 Bünde, E-Gitarren üblicherweise 21 bis 24.
Wenn Töne in hohen Lagen daneben liegen, können auch abgenutzte Saiten die Ursache sein. Sie sind Verbrauchsmaterial.
Ein Kapodaster wirkt wie ein beweglicher Sattel. Er klemmt die Saiten hinter einem gewählten Bund ab und verschiebt die ganze Stimmung nach oben, sodass dieselben Griffe in einer anderen Tonart klingen.
Korpus und Steg
Der Korpus ist der größte Teil der Gitarre. Bei der Akustischen ist er hohl und wirkt als Resonanzkörper, der die Saiten natürlich verstärkt. Bei der E-Gitarre ist er meist massives Holz, denn das Verstärken übernimmt der Amp.
Der Steg (Bridge) ist das Metall- oder Kunststoffteil auf dem Korpus, an dem die Saiten am unteren Ende verankert sind. Es gibt drei Grundtypen:
- Ein Hardtail-Steg ist einfach, zuverlässig und stimmstabil. Ideal für Anfänger.
- Ein Vibrato oder Tremolo hat einen Hebel, mit dem du die Tonhöhe beim Spielen veränderst. An die Stimmstabilität muss man sich gewöhnen.
- Ein Locking-Steg (Floyd Rose) verkraftet extreme Hebelarbeit. Die Konstruktion ist komplexer und eher etwas für Fortgeschrittene.
Für die erste Gitarre empfehlen wir Hardtail, weniger Ärger mit Stimmung und Setup. Die ganze Auswahl findest du bei den Gitarrenstegen.

Tonabnehmer an der E-Gitarre
Tonabnehmer (Pickups) sind elektromagnetische Spulen unter den Saiten der E-Gitarre. Sie nehmen die Bewegung der Metallsaiten auf und wandeln sie in ein elektrisches Signal um, das zum Amp geht.
Es gibt zwei Haupttypen:
- Ein Singlecoil (etwa Fender Stratocaster oder Telecaster) liefert einen klaren, direkten Klang mit ausgeprägtem Twang. Er neigt etwas stärker zum Brummen.
- Ein Humbucker (etwa Gibson Les Paul oder SG) klingt voller, wärmer und kräftiger. Er unterdrückt Brummen und ist typisch für Rock und Metal.
Auch die Position verändert den Charakter. Der Steg-Tonabnehmer klingt schärfer und fokussierter, der Hals-Tonabnehmer wärmer und voller.
Tonabnehmer lassen sich auch an einer günstigen Gitarre tauschen, und das ist eine der billigsten Möglichkeiten, den Sound deutlich zu ändern. Sieh dir Gitarren-Tonabnehmer an oder lies, wie du eine E-Gitarre auswählst. Die endgültige Form bekommt der Sound vom Gitarrenverstärker, in den du einsteckst.

Wie du deine erste Gitarre aussuchst
Du kennst jetzt jedes Teil deiner Gitarre, und das ist ein solides Fundament. Wenn du dein erstes Instrument aussuchst, weißt du, wonach du fragen und worauf du achten musst. Sieh dir E-Gitarren, Akustikgitarren oder Konzertgitarren an und entscheide bewusst. Auch der Ratgeber wie du eine Akustikgitarre auswählst hilft weiter.
Und wenn du bereit für die ersten Akkorde bist, führt dich Gitarre spielen lernen Schritt für Schritt. Was du sonst noch zum Instrument brauchst, findest du beim Gitarrenzubehör. Und ein paar Plektren gehören in die Tasche.
Häufige Fragen zu den Teilen der Gitarre
Wie heißen die Saiten der Gitarre?
Von der dünnsten zur dicksten: e, h, g, d, A, E. Die dünnste ist die erste Saite und liegt am nächsten zum Boden, wenn du die Gitarre in Spielhaltung hältst. Die dickste ist die sechste und liegt oben. In der englischen Schreibweise heißt die zweite Saite B statt H, in englischsprachigen Anleitungen findest du also E A D G B E. Es ist dieselbe Saite, nur anders benannt. Welche Saiten du kaufen solltest, klärt der Artikel Gitarrensaiten auswählen. Wähle den Satz passend zur Gitarre: Saiten für Akustikgitarre, Saiten für E-Gitarre oder Nylonsaiten für Konzertgitarre. Austauschbar sind sie nicht.
Wie werden die Bünde an der Gitarre gezählt?
Von der Kopfplatte Richtung Korpus. Der erste Bund liegt dem Sattel am nächsten, der zwölfte etwa auf halber Mensur und klingt eine Oktave über der leeren Saite. Steht in der Tabulatur eine 3, geht der Finger in den Raum zwischen dem zweiten und dritten Metallsteg, nicht auf den Steg. Punkte oder Inlays markieren meist den 3., 5., 7. und 9. Bund, am 12. gibt es eine Doppelmarkierung zur schnellen Orientierung.
Wie viele Bünde hat eine Gitarre?
Eine Konzertgitarre hat meist 18 bis 19 Bünde, eine Akustische 20 und eine E-Gitarre 21, 22 oder 24. Mehr Bünde bedeuten mehr Tonumfang für Soli. Bei Konzert- und Akustikgitarren wird es oberhalb des zwölften Bundes eng, weil der Korpus im Weg ist. E-Gitarren haben genau deshalb ein Cutaway. Die Unterschiede zwischen den Typen behandeln wir im Artikel Akustikgitarre auswählen.
Was ist der Unterschied zwischen Hals und Griffbrett?
Der Hals ist der komplette Träger vom Korpus bis zur Kopfplatte. Das Griffbrett ist nur die obere Platte, die auf den Hals geleimt ist und in der die Bünde sitzen. Hälse sind meist Mahagoni oder Ahorn, Griffbretter Palisander, Ahorn oder Ebenholz. Sagt jemand, eine Gitarre habe einen „Palisanderhals", meint er das Griffbrett. Es gibt auch Gitarren, bei denen Hals und Griffbrett aus einem Stück Ahorn bestehen, klassisch ältere Fender.